GELERNT IST GELERNT

Frau HoffmannPolitische Erfolge oder Misserfolge ereignen sich selten, weil sie geplant sind, sondern aufgrund von unvorhersehbaren Ereignissen. Der Whistleblower Snowden war so eines, und er hat mehr bewegt als ein flächendeckender Mindestlohn. Auch die in Moskau halbnackt herum hüpfenden Femen-Tänzerinnen, haben Putins Staat nachhaltiger erschüttert, als die russischen Raketen, die regelmäßig zur Raumstation fliegen, um die verstopften Klosetts zu reinigen.

Wie sehr das dem einen oder anderen nützt oder schadet, kommt auf die Sichtweise an.

Besonders stark betroffen von schicksalhaften Ereignisse ist in letzter Zeit die katholische Kirche. Die Deutschen hielten die Ernennung eines Deutschen zum Papst für weltbewegend. Schließlich hat er der Mode im Vatikan neue, farbige Akzente hinzugefügt und den antisemitischen Piusbrüdern die Rückkehr in den Schoß seiner Kirche ermöglicht. Als dieser Papst nach kurzer Zeit wieder verschwand, glaubten viele, jetzt sei Schluß mit Seidenspitzen und roten Schuhen. Doch dann ereignete sich Limburg.

Nachdem die schwarze Suppe jetzt schon drei Wochen vor sich hin köchelt, stellt sich heraus, dass der Kirche nichts Besseres hätte passieren können. Seitenlange Artikel in den Magazinen und Zeitungen werden von katholischen Autoren geschrieben, in denen sie erklären, was sie von dem Hausbau des Bischofs von Limburg halten. Die Gesamtbausumme oder die Kosten für die bischhöfliche Badewanne, mag den einen als Hoffahrt erscheinen, während andere die Kosten für Michelangelos Petersdom damit vergleichen. Beide Standpunkte werden in allen Medien ausführlich erwähnt. Übrigens nie von Nichtkatholiken. In den Talkshows kommen seit Wochen nur Katholiken Wort. Im Spiegel durfte sogar die Zukunft des Automobils vom Hauskatholik des Magazins beschrieben werden. Keine Ecke, in der es nicht nach Weihrauch riecht.

Das Ganze ist übrigens ein Beispiel für eine erfolgreiche Werbekampagne, ein so genannter Hype. So etwas wünschen sie sich im Baubüro des Berliner Flugplatzes. Aber anstatt sich der gleichen PR-Firma zu bedienen wie der Vatikan, starren die dortigen Genossen nur fasziniert auf Limburg.

Daran erkennt man den Vorteil von tausendjähriger Erfahrung, auf die der Vatikan zurückgreifen kann wie auf seine gefüllten Bankkonten.

2 Comments | Hinterlasse einen Kommentar

  1. Dieter |

    Nicht nur Erfahrung hat die katholische Kirche, sie hat
    auch die Wahrheit gepachtet – und deshalb kann man sie
    nicht reformieren!

  2. cru-jean |

    Theophagie ist nun ´mal eine Mangelernährung.

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