STRAMMFILM

Jetzt wissen wir also, wie es zuging im Generalstab unserer glorreichen, im Felde unbesiegten und ritterlich kämpfenden Wehrmacht. Im Hauptquartier Rommel stand man herum wie die Pinguine auf einer kleinen Insel, die keinen Platz ließ für andere Tiere. Unverkennbar befanden sich die Generäle in permanenter Balzbereitschaft. Wie bei exotischen Vögeln leuchteten an den Krägen und am Hals ihrer Kleidung rotes und goldenes Gefieder und signalisierte wohl nichts anderes als bei den Pavianen die roten Ärsche.

Nämlich ihren hohen Rang in der üblichen Vogelschar.

Der ist in der Verfilmung der Rommel-Saga auch daran erkennbar, dass die Herren Generäle im Hochsommer in der Normandie stets schwere Ledermäntel tragen. Man kann das für einen Einfall des Regisseurs halten, der darauf verweisen wollte, dass auch Generäle ihre wintertauglichen Lieblingsklamotten immer griffbereit haben wollen, für den Fall, dass sie auf ihre Rittergüter fliehen mussten. Dem Feldmarschall Rommel, um den dieser Film sich dreht, hat das alles nicht geholfen. Er schluckte brav die Zyankalikapsel, die sein Führer ihm schickte, und wir kennen nicht einmal seine letzten Worte.

Wirklich frustriert war jedenfalls sein Kollege v. Kluge, den man sieht, wie er sich im requirierten Schloss an den Esstisch setzt, die Serviette in den Kragen steckt und dann doch nicht zum Essen kommt, weil die Nachrichten von der Verschwörung gegen Hitler sich als störend erweisen.

Da empfindet der Zuschauer zum ersten Mal Mitleid mit den balzenden Papageien, doch seine Gefühle halten sich in Grenzen, weil die armen Schweine in ihren Ledermäntel den ganzen Film über nichts zu essen kriegen.

Deshalb fand ich die Lagebesprechungen der Papageien in ihren Hauptquartieren wenig unterhaltsam und schaltete um zu Maybrit Illner. Aber auch die hatte ihren schlechten Tag. Wahrscheinlich war ihr Abendessen ausgefallen.

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