IN DER PFANNE

Vier Winter hintereinander habe ich in Wien verbracht. Es war eine wunderbare Zeit. Ich kannte jedes Beisl der Stadt, fühlte mich auch in den feinen Hotels wie zu Hause (ich sage nur Sacher!) und vor allem besuchte ich den Naschmarkt, diese balkanesische Tante des Münchener Viktualienmarktes. Meine Seele schwelgte in Innereien, und meine Begier fand in den Mehlspeisen der Wiener Küche ihre Erfüllung.

Kein Wunder, dass ich für das junge Volk, das sich ab und zu um meine Knie drängte, der Kaiser der Palatschinken war.

Das ist nun lange her. Trotzdem wurde ich in diesen Tagen ähnlich bedrängt, und betrat leichtsinnig die Küche.

Aber es erging mir, wie einem hinterbänkelnden FDP-Funk­tionär, der unversehens Wirtschaftsminister wird. Seriöse Küchenarbeit nicht mehr gewohnt, ver­masselte ich die Vorstellung vor den Augen der erwartungsvollen Geniesser. Den Teig kriegte ich noch hin, auch die Temperatur hatte ich unter Kontrolle und nahm auch Butter mit grobem Meersalz. Soweit lief alles nach Plan, bzw. nach Rezept.

Aber danach missriet mir alles. Die Apfelschnitzen fielen aus dem Teig heraus, Blaubeeren kullerten über den Boden, die Wurstscheiben verfügten nicht über das benötigte Haftpotential, manche Stellen des Palatschinken wurden nicht gar, der Knoblauch verbrannte scheib­chenweise und mein Renommee als Fürst der Palatschinken schmolz schneller dahin, als die Beliebtheit unserer Koalition in den Meinungsumfragen.

Vielleicht lag es daran, dass mir niemand die Küchentür meiner Dienstvilla aufriss. Etwas Machtsymbolik hat schon so manchem Dussel als Stützkorsett gedient.

Die Lehre daraus? Setz dich nicht ans Steuer eines 40 Tonners, wenn du nur Minis gewohnt bist.

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