ROBUCHON

Man muss sich das so vorstellen: Da gibt es in der Nationalmannschaft einen Mittelstürmer, der immer dabei ist, wenn ein Tor geschossen wird. Natürlich kennen ihn die Fans. Aber sonst? Er ist nicht populär. Steht nicht ständig auf einem Podest, wirbt nicht für Armbanduhren, nicht für Zigarren oder Rheumasocken. Während jedes Schulkind die Namen der restlichen zehn Spieler auswendig kennt, ist er fast ein Anonymus. Obwohl er ein paar sensationelle Tore gekickt und geköpft hat, wird sein Name selten genannt, wenn vom Fußball die Rede ist.

Hört sich unwahrscheinlich an, zugegeben. Diese Person wird auch nicht wahrer, wenn es sich um einen Küchenchef handelt. Und doch gibt es ihn. Er ist Franzose und heißt Joel Robuchon.

In der Welt der Feinschmecker halten ihn viele für den besten Koch der Welt. Sein Pariser Restaurant „Jamin“ war das erste, wo man Monate im voraus einen Tisch be stellen musste. (Inzwischen besitzt er wie viele seiner Kollegen Restaurants in aller Welt.)

Nur wenige Glückliche haben je bei ihm gegessen, aber seine Heldentaten sind allgemein bekannt. Da ist das Kartoffelpüree, das fast so viel Butter wie Kartoffeln enthält, ein Rezept für das er in die Académie de France aufgenommen werden müsste, welches bei Internisten und sparsamen Hausfrauen aber blankes Entsetzen auslöst. Nicht weniger sprichwörtlich ist sein Kaviargelee mit Blumenkohlcreme. Eine scheinbar willkürliche Kombination von ordinärem Kohl und edlem Kaviar, die äußerst kompliziert in der Herstellung ist und köstlich schmeckt.

Das ist überhaupt das Kennzeichen seiner Küche: edles Material, vertrackte Technik und überraschender Geschmack. Insofern tanzt er etwas aus der Reihe seiner Kollegen, die sich zwar auch nicht vor aufwändiger Handarbeit fürchten, aber zum Ausgleich gerne eine regionale Küche anbieten oder mit den Vegetariern kokettieren. Vollends schockierte Robuchon die Branche der Superköche, als er mit vierzig verkündete, seine Karriere im Alter von fünfzig Jahren beenden zu wollen. Was er auch tat.

Zwei Jahre später war er aber wieder da, nannte sein Restaurant „Atelier“ und kochte wie ehedem klar und meisterhaft nach dem Motto, das er Alain Ducasse diktierte, der ihn für sein neuestes Buch interviewte: „Ein großer Koch ist jemand, dem es gelingt, mit den Händen auszudrücken, was er sich im Kopf vorstellt.“

Das Buch „Robuchon der Klassiker“ ist soeben im Stuttgarter Matthaes Verlag erschienen und sein erstes, mit dem er sich an erfahrene Kollegen und fortgeschrittene Hobbyköche wen det. Es wäre also nicht sinnvoll, es der Oma zu Weihnachten zu schenken, damit sie ihre Linsensuppe verbessern lernt.

One Comment | Hinterlasse einen Kommentar

  1. Ursel |

    2009 waren wir in Paris und haben Mittags (ohne Voranmeldung) gegen 12Hr. tatsächlich einen Platz bekommen. Waren sehr begeistert.
    Hier mein visueller Bericht
    http://www.youtube.com/watch?v=DjpFgj10FFo&feature=context&context=C3e9cc94ADOEgsToPDskKrTVtn5Dyk-dfcdDGcQgZe
    MfG
    aus Bayern

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