CHECKPOINT CURRYWURST

Frau HoffmannEher beiläufig erfährt man aus den Berlin-Berichten der Kollegen vom Widerwillen ranghoher Landespolitiker, in die Hauptstadt zu wechseln. Die aufgeblasene Armseligkeit des gesellschaftlichen Lebens und der hässliche Eindruck, den die von preußischer Geschichte geprägte Stadt nach geraumer Zeit auf den Besucher machen, genügen offenbar, auf glanzvolle Karrieresprünge zu verzichten.

Wo Borchardt das Kanzleramt symbolisiert und Prenzlauer Berg den Bundestag, sind Frustationen für jeden unvermeidlich, der glaubt, durch seine Parteizugehörigkeit die Geschicke der Nation beeinflussen zu können.

Am besten schneidet bei der Qualität des lokalen Hedonismus’ (der von verzweifelten Zuwanderern gepäppelt wird wie Basilikum in den Blumentöpfen einiger Küchenchefs) noch die Berliner Gastronomie ab. 5-Stern-Hotels gibt es viele, und sie sind alle sehr gut – was Betten und Service angeht. Die Leistungen der jeweiligen Küche sind auch nicht schlecht, aber in dieser Kategorie spielen Pariser und Londoner Hotels eine bessere Rolle. Man darf vermuten, dass es nicht am Ehrgeiz der Chefs und des Managements hapert. Es sind vielmehr die Gäste, die jenes großstädtische Flair verhindern, das in Paris so entzückt und in London Bewunderung auslöst. Wer nach Berlin fährt, will Geschäfte machen oder am aktuellen Kunstgeschehen teilnehmen. Beide Tätigkeiten sind in der Metropole selten mit kulinarischem Genuss verbunden. Wer das Schnitzel bei Borchardt für erwähnenswert hält oder den Prosecco der Vernissagen, wird vielleicht eine Kreuzfahrt durchs Nordmeer für ein hedonistisches Erlebnis halten.

Liebe Leser, Sie ahnen es: ich bin auf dem Weg nach Berlin. Von dort werde ich mich wieder melden.

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  1. Karin Laudenbach |

    Lieber Herr Siebeck,

    ich möchte gerne wissen, wie der Journalist(Tagesspiegel?) heißt, der auf der eatberlin am Sonntag den 3.3.13 die freundlich launige Laudatio anlässlich der Preisverleihung für Ihr Lebenswerk hielt.

    Herzliche Grüße aus Berlin
    Karin Laudenbach

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